Das einzig schöne am heutigen Tag (wenn man mal aus dem Fenster rausschaut) ist das Datum. Am 1. 1. 11 bleibt die Zeit, das gerade eben zuende gegangene Jahr 2010 ein wenig Revue passieren zu lassen, und sich auch ein paar Gedanken darüber zu machen, was uns denn so erwarten wird in 2011.
2010: Irland ist allgegenwärtigUnsere Wahlheimat hat im abgelaufenen Jahr für viele Schlagzeilen gesorgt - nur leider waren nahezu alle im Negativbereich. Ein ganzes Jahr lang ist eine schlecht bis nicht regierte Nation von einem Skandal zum anderen geschrammt, und kurz vor Jahresende gipfelte die Gratwanderung zwischen Staatsbankrott und Weiterwursteln in der Annahme einer 80 Milliarden schweren EU-Finanzhilfe, die wiederum größtenteils in die Aufrechterhaltung des runinösen Bankensektors auf der Insel gepumpt wird.
Unglaublich für mich ist, dass sich die desolate Regierung Brian Cowens allen Unkenrufen zum Trotz noch immer im Sattel gehalten hat. Schon okay, die Weltwirtschaftslage ist kritisch, aber was diese Regierung in den letzten Jahren alles falsch bzw. nicht gemacht hat, würde den Rahmen dieses Blogs sprengen. Erst jetzt - viel zu spät - stehen uns Neuwahlen ins Haus. Ob diese allerdings die dringend notwendige politische Kurskorrektur bringen werden, bleibt noch abzuwarten. Die Hoffnung lebt, und ich denke, man sollte Enda Kenny und der Fine Gael jetzt in Zusammenarbeit mit der Labour die Chance geben. Es kann nur besser werden.
Irlands Bild in Europa hat sich auf alle Fälle grundlegend verändert. Von der schafbesiedelten grünen Idyllinsel hat sich Irland 2010 zum europaweiten wirtschafts- und finanzpolitischen Sorgenfall entwickelt. Bye Bye Celtic Tiger. Hello Finanzmisere. Hausgemacht, aber das ist eine andere Geschichte.
2010: Irland ist weißUnerwartete Wetterkapriolen haben die Insel im abgelaufenen Jahr heimgesucht. Gleich zwei relativ strenge Winter in Folge, mit Rekordschneefällen, haben wochenlang Irland in Schockfrostzustand versetzt und das Autofahren für die zu 95 Prozent sommerbereiften irischen AutofahrerInnen zur Lotterie gemacht. Auch wenn vergleichsweise wenig passiert ist, der wirtschaftliche Schaden war enorm. Und die Insel war kein Deut besser vorbereitet auf den Winter als im Vorjahr. Auch wenn dieses Jahr das Überraschungsmoment nicht mehr so groß gewesen sein dürfte. Man darf gespannt sein auf den nächsten Winter. Und der kommt bestimmt. Klimawandel sei Dank. Beteiligung am Winterreifenimport, anyone?
2010: Irland wird HeimatAber lassen wir das große Ganze für einen Moment beiseite. 2010 war für uns ganz persönlich ein sehr gutes Jahr. Über die postitive berufliche Entwicklung für uns in sicheren Jobs und die gute Schullaufbahn unseres Sohnes habe ich hier schon desöfteren berichtet. Aber 2010 hatte für uns mehr zu bieten als das. Irland ist ein Stück weit Heimat geworden. Nicht mehr Ausreiseziel oder kurzfristiges Abenteuer. Die Wurzeln haben den Boden erreicht und beginnen sich festzusetzen. Ferienstimmung und Abenteuerlust sind dem Sich-Wohlfühlen und der Behaglichkeit gewichen. Und das ist wohl das Schönste, was man sagen kann.
2011: Irland bleibt spannendZum Abschluss eine vorsichtige Prognose für 2011: Irland wird spannend bleiben. Zum einen bleibt abzuwarten, wie sich die politische und wirtschaftliche Situation entwickelt. Besserung ist erhofft und erwünscht, aber bei Weitem noch nicht garantiert. Zum anderen wird es auch ein spannendes Arbeitsjahr: Meine Frau arbeitet weiter am Aufstieg innerhalb der Firma, und bei uns steht in den nächsten Tagen ein großer Relaunch bevor, der in den nächsten Wochen meine ganze Kraft erfordern wird. Still und heimlich haben wir formal seit heute
Optimal Print Solutions zum Leben erweckt, und da wird noch einiges an Arbeit auf mich zukommen. Auch für unseren Sohn steht die Herausforderung an, die zweite Klasse gut zu meistern, und sich noch weiter ins Sozialleben einzufügen.
Wir freuen uns auf ein neues Jahr in Irland. Weil Irland trotz aller Probleme wunderschön ist, und es sich hier wunderbar leben lässt.
Auf ein gutes Neues, noch besseres Jahr 2011.