Mittwoch, 29. April 2009

Henkel Irland schafft Weltrekord

Die in Tallaght ansässige Firma Henkel Irland schafft es dieser Tage mit einem Aufsehen erregenden Versuch ins Guinness-Buch der Rekorde: Mit nur 9 Tropfen Superkleber (natürlich Loctite) wurde ein schwerer Van gehoben, und damit wurde der alte Rekord in der wahnwitzig interessanten und wichtigen Kathegorie "heaviest vehicle lifted with glue" um fast eine Tonne überboten:
Loctite Superglue can now justifiably claim to be the strongest glue in the world. Just nine drops were sufficient to convince the jury: The Guinness World RecordTM of the “heaviest vehicle lifted with glue” now goes to Loctite. With a black pick-up truck giving a piggyback ride to an additional city car, Loctite Superglue secured an amazing overall weight of exactly 5.02 tons – almost one ton on top of the old record.
Na also, da kann man doch stolz sein drauf, oder? Okay, das Produkt ist gut, der Werbeeffekt auch nicht zu verachten, aber der Sinn solcher Experimente verschließt sich mir dann doch etwas. Naja, wenn es wenigstens die Fernsehserie MacGyver noch gäbe, da wäre Henkel dann ein potentieller Sponsor ...
Natürlich darf auch der notwendige Hinweis auf den nationalen Stolz nicht fehlen (interessant grade bei einem globalen Multi wie Henkel):
Dr Liam O'Dwyer, Product Development Manager, Henkel Tallaght commented: "The preparation took a lot of hard work and we are thrilled to have achieved this world record. It's a very impressive way to demonstrate the strength of our Super Glue and we are proud that it was developed and manufactured in Ireland."
Den Bericht darüber gibt es hier auf der Homepage von Henkel.

Dienstag, 28. April 2009

Schuld sind immer die Anderen ...

Aus einem Artikel auf www.welt.de: Der irische Immobilienmakler Declan Whyte kennt die wahren Schuldigen der Krise:
Makler Whyte ist wütend. "Niemand hat je solche Zeiten gesehen, höchstens während der großen Hungersnot." Diese traumatische Erfahrung der Iren liegt allerdings schon etwa 160 Jahre zurück. "Diese Krise wurde kreiert", sagt Whyte weiter, "und es gibt nur einen Schuldigen: die Banken." Die hätten Leuten, von denen sie genau wussten, dass sie es sich nicht leisten können, Hypotheken bis zu 120 Prozent des aufgeblähten Kaufpreises gewährt. "Ist es denn ein Zufall, dass die beiden großen Geschäftsbanken 2006, auf dem Höhepunkt des Booms, alle ihre Filialgebäude verkauften und wieder leasten?", fragt der Immobilienmakler gereizt, ohne eine Antwort zu erwarten. Whytes Vater Ray nimmt das alles viel gelassener. Er gehört zu einer Generation, für die Knappheit die Regel darstellte. Die älteren Iren legten ihr Misstrauen gegenüber dem neuartigen Reichtum infolge des Wirtschaftsaufschwungs seit den 1990er-Jahren nie ganz ab. Jetzt fühlen sie sich bestätigt.

Schon klar, und auch nicht ganz unrichtig. Nur dass vor allem auch die Vielzahl der Immobilienmakler an diesen Krediten sehr, sehr gut verdient hat in all den Jahren, verschweigt der gute Mann geflissentlich. Und dann wird auch gleich wieder die Great Famine hervorgeholt ...

Hast DU auch genug für Irland getan?


Gefunden im Heritage-Center in Athy - leider spiegelt sich der Blitz etwas auf dem Foto.

In the medieval times

Wir waren am vergangenen Sonntag beim South Kildare Medieval Festival im Athy Heritage Center im County Kildare. Leider war das Wetter nicht so besonders, und deshalb hielt sich der Publikumsandrang in Grenzen, aber dennoch war es eine sehr sehenswerte Veranstaltung.

Neben einem Besuch (bei freiem Eintritt) im Heritage Center, das großteils dem in der Nähe von Athy geborenen Polarforscher Ernest Shackleton gewidmet ist, stand auch einiges an Freiluftaktivitäten am Programm: Schauschwertkämpfe, Spielleute, Jongleure, Bogenschießen, ein tolles Kinderprogramm, Münzenprägen, ein Kalligraphie-Workshop, Harfenmusik usw. Lediglich das am Nirosta-Grill bereitete Spannferkel wirkte nicht so ganz authentisch *g*

Das Festival kann man auf jeden Fall empfehlen, ein Besuch im Heritage-Center alleine lohnt sich wohl eher nur, wenn man grade in der Gegend ist, weil es relativ klein ist.

Im Folgenden ein paar Impressionen:

Ein Fahrzeug, Baujahr 1901

Athy rühmt sich, nahe am Geburtsort von Polarforscher Ernest Shackleton zu sein.


Eines von Shackletons Forschungsschiffen im Nachbau.

Eine Irlandkarte von 1509.

Der Spaßmacher an diesem Tag

Schauschwertkämpfe. Irgendwie fühlte ich mich auch aufgrund der Helme an "Die Ritter der Kokusnuß" erinnert.

Workshop und Live-Sessions auf der Irish Harp.

Spielen Sie doch mit ihrer Gesundheit *g*

Keine Frage, Fine Gael-Leader Enda Kerry ist wohl der charismatischste Politiker seit dem Unterstinkenbrunner stellvertretenden Gemeinderat für Abwasserplanung und historische Stadtplanzeichnung in den späten Sechzigern, Franz-Xaver Kenntmiehkana. Doch offensichtlich haben ihm seine Strategen jetzt ein hipperes und zeitgemäßeres Image verordnet. So präsentiert er uns jetzt zum Beispiel ein Online-Game, bei dem man selbst in die Rolle des Doktors schlüpfen kann und will so die Missstände im irischen Gesundheitswesen anprangern.
So gesehen auf www.FairCare.ie
Doch überall ist Werbung für dieses Spielchen nicht gerne gesehen. Die irische Website entertainment.ie lehnte die Schaltung des Inserates jetzt eiskalt ab. Dort wollte die FIne Gael das Inserat justament im Sektor "Familien" schalten, der von der abgeprangerten HSE gesponsort wird.
Kritik unerwünscht. Inserat abgelehnt. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Samstag, 25. April 2009

Short News zum Wochenende

Dublins Erzbischof Martin vor Wechsel in den Vatikan?
Glaubt man den 'gewöhnlich gut informierten Kreisen', dann steht Dublins Erzbischof Diarmuid Martin kurz vor einem Wechsel in den Vatikan, um dort das 'Konzil für Gerechtigkeit und Frieden' zu leiten. Zumindest gilt er als einer der Top-Kandidaten für das hohe Amt. Und ein Wechsel käme ihm wohl derzeit mehr als gelegen: Steht doch in Kürze die Veröffentlichung des Berichtes über die jahrzehntelange Kindesmisshandlung durch Priester in Irland ins Haus, und dann dürfte es heiß hergehen in der irischen Kirchenszene.

Die irische Sprache im Hoch?
Den höchsten Nutzungsgrad seit der Great Famine sagt eine Studie des NUI Maynooth der irischen Sprache nach. Glaubt man der Umfrage, halten 25 Prozent der Irinnen und Iren regelmäöäßig Konversationen in irischer Sprache, und gar fast die Hälfte der Befragten denkt von sich selbst, die irische Sprache sehr gut zu sprechen.
Zwei Gedanken dazu: a) Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast; und b) Wann habt ihr das letzte Mal einer Konversation in irisch zugehört auf der Insel? Ich denke hier wurden die Zahlen dann doch ein wenig geschönt, bzw. wahrscheinlich die "richtigen" Leute befragt.
Keiner will den Iren ihre erste Landessprache streitig machen, aber meiner Meinung nach wird etwas zuviel Zirkus um diese Sprache gemacht. Und auch zuviel Geld in ihre Erhaltung inverstiert.

Jeder vierte Ire hat Probleme beim Lesen und Verstehen von Basis-Dingen
Da macht mir diese Meldung schon mehr Kopfzerbrechen. Hier wäre mehr Handlungsbedarf meiner Meinung nach.
ONE out of every four Irish adults are unable to read drug prescriptions, menus or work documents, with more than 10,000 people contacting support groups with their concerns since the start of 2008.

Speaking after the Irish launch of The Big Read international campaign — which highlighted how a massive 774 million people worldwide, including 75 million children, are trapped in a lifetime of poverty because they cannot read or write — campaigners warned that thousands of people in this country suffer from the same crisis.
(Aus dem Irish Examiner)

Toilettenpapier-Rückgabe
Gestern bei Aldi Toilettenpapier erstanden. Und im Kleingedruckten der Standardsatz "If you are not completely satiefied with this product ..." Soso, ich kann also mein Toilettenpapier retournieren, wenn es mir nicht weich genug ist? Das lässt Raum für (nicht sehr schmackhafte) Fantasien ...

Freitag, 24. April 2009

Das E-Voting Disaster

E-Voting wurde lange als die Wahlform der Zukunft angesehen. So auch in Irland. Im Zuge dessen schaffte die Regierung im Jahr 2002 die entsprechenden Geräte an - seitdem dümpeln diese in Lagerhäusern vor sich her, und werden wohl demnächst verschrottet.
51 Millionen Euro kosteten die Maschinen (wer handelt eigentlich solche Deals aus), und die Lagerkosten für die sieben Jahre werden mit noch unglaublicheren 4 Millionen Euro beziffert (das macht Daumen mal Pi 550.000 Euro Lagerkosten pro Jahr - man möge das bitte einmal auf den Quadratmeterpreis umlegen, dann wundert einen gar nichts mehr).
Derzeit haben die Maschinen noch genau den Schrottwert, dieser wird mit rund 1 Million Euro in meinen Augen auch noch relativ hoch angesetzt.
Deutschland und Holland haben ähnliche Systeme bereits aus dem Verkehr gezogen, also fehlt es auch an potentiellen Abnehmern für das teure Technikspielzeug.
Gut, ich stamme aus einem Land, das dafür bekannt ist, trotz Rekordverschuldung Milliarden von Euro in sinnlose Abfangjäger zu pumpen. Aber dennoch kann ich auch bei solchen idiotischen Geldvernichtungsaktionen nur mehr den Kopf schütteln.
Wie gesagt, wundern darf man sich da über manche entstandenen Probleme nicht, wenn das nur ein Beispiel ist, wie gewirtschaftet wurde (wird) in Irland.

Donnerstag, 23. April 2009

Irlands dümmste Verbrecher: Wenigstens hier bleibt alles beim alten

Erst Anfang dieser Woche überlebte er einen Mordversuch mit einem Maschinengewehr, schon 2008 entkam er bei einem ähnlichen Attentat mit dem Leben; er ist bekennendes Gang-Mitglied und verbrechensmäßig kein unbeschriebenes Blatt in diesem Land. Dennoch auf freiem Fuß. Bis heute.
Denn nun geht der 46jährige Jimmy Collins aus Limerick in den Bau. Und zwar für ein 'absolut lebensnotwendiges, geniales' Verbrechen: den Diebstahl von zwei Sausage-Rolls im Gegenwert von € 2,46 (!) im lokalen Tesco.
Aufgrund einer bestehenden Bewährungsstrafe (die am 24. April 2009 - also morgen - verjährt wäre) wurde ihm dieser dumme Diebstahl jetzt zum Verhängnis: Am 6. Mai wird die Höhe der Haftstrafe festgesetzt.
Naja, im Knast wird wenigstens keiner auf ihn schießen. Oder?

Ebenfalls besonders dämlich hat sich die ehemalige Kassiererin des GAA-Clubs Blackrock in Limerick verhalten. Sie hat aus dem Club-Lotto und mittels gefälschter Schecks zwischen 2005 und 2008 rund 100.000 Euro aus dem Club abgezweigt. Und offensichtlich gedacht, dass das eh keinem auffallen wird. Nun musste die 49jährige Mutter ihr Eigenheim verkaufen, um den Schaden wenigstens teilweise wieder gut zu machen. Nach Abzug der Gebühren kann sie aus dem Notverkauf rund 65.000 Euro zurückzahlen. Mehr gibts bei der Dame, die von Social Welfare lebt, für den Club offensichtlich nicht zu holen. Ob diese Rückzahlung allerdings ausreicht, um ihr eine Gefängnisstrafe zu ersparen, steht noch nicht fest.
Tja: Job weg, Haus weg, Social Welfare und jetzt offensichtlich auch noch obdachlos - da dürfte der Plan nicht wirklich aufgegangen sein.

Frischfleisch im Supermarkt

Offensichtlich hat der regionale SuperValu in Ballinrobe, Co. Mayo dermaßen sensationelle Angebote, dass auch die Tierwelt nicht widerstehen kann und mal eben kurz einkaufen geht. So gesehen auf CCTV-Aufnahmen (aus dem Irish Independant) - ein entfleuchter Bulle auf Shopping-Tour.
Wie auch immer, niemand wurde verletzt, und der Bulle ist wieder auf seiner Weide.
Der Besitzer des Supermarkts freut sich über die zusätzliche Publicity und betont im Interview, dass der Bulle bei Tesco vorbeigelaufen ist, um zum SuperValu zu kommen. Wenn das mal nichts aussagt ...

Hier gibts den TV-Bericht darüber zum Ansehen. Vielen Dank an Ella, die mich auf den Link aufmerksam gemacht hat!



Den Running Gag zum Vorfall präsentierte Besitzer Cummins auch gleich noch:
"People were joking afterwards that our beef was fresh and fully traceable," said Mr Cummins.

Mittwoch, 22. April 2009

Fat-Tax: Der nächste Scherz aus dem Hause Ryanair

Nun, vor gar nicht allzu langer Zeit sorgte Ryanair für Gratiswerbung rund um den Globus, als Boss O'Leary hinausposaunte, man überlege die Einführung einer Toilettennutzungsgebühr. Auch ich habe diese Idee im ersten Moment für bare Münze genommen, war damit aber in guter Gesellschaft, bis Michael O'Leary dann öffentlich von einem Scherz gesprochen hat. Ob die Idee damit allerdings wirklich von Tisch ist ...?

Offenbar inspiriert durch diesen Marketingerfolg, legt Ryanair nun gleich noch eins drauf. In einer Scherzumfrage (so dachte ich zumindest beim ersten Lesen, und denke das auch jetzt noch) auf der Firmenhomepage, bei der sich rund 100.000 Besucher beteiligten, konnte man zwischen fünf neuen möglichen Gebühren wählen, die der Billigflieger einführen könnte.
Sieger bei dieser Umfrage: Die so genannte Fat-Tax, als eine Zusatzgebühr für übergewichtige Passagiere. Auf Rang zwei des Rankings landete mit 25 Prozent die Idee, Toilettenpapier mit einem Abbild von Fluglinienchef Michael O'Leary für einen Euro anzubieten, auf Rang drei (24 Prozent) eine Gebühr für eine Raucherkabine an Bord.
Nie um eine Fortführung der Ideen verlegen, unterbreitete Ryanair heute den Medien bereits die Ideen zur Umsetzung der Fat-Tax. Auch darüber sollen wieder die Homepage-User abstimmen. Zur Auswahl stehen die folgenden Möglichkeiten:
  • eine Gebühr pro Kilogramm ab 130 Kilogramm bei Männern und 100 Kilogramm bei Frauen
  • eine Gebühr nach Körperumfang ab 115 Zentimetern bei Männern, ab 101 Zentimetern bei Frauen
  • eine Gebühr nach Punkten im Body Mass Index ab 40 Punkten (mehr als 30 Punkte bedeuten Übergewicht / Fettleibigkeit)
  • eine Gebühr für einen zweiten Sitzplatz, sollte der Körperumfang des Passagiers beide Armlehnen berühren
Zwar gibt es derzeit im erbitterten Preis- und Kostensparkampf der Fluglinien tatsächlich eine vergleichbare Idee, die von den United Airlines in den USA gerade in die Tat umgesetzt wird - dennoch halte ich diese Idee nur für einen erneuten Marketinggag des irischen Billigfliegers. Und dieses Konzept ist mal wieder voll aufgegangen.
Berichte darüber findet man unter anderem im Spiegel.

Nochmals kurz zum Thema Abtreibung

Nachdem gestern der Fall der drei Frauen bekannt wurde, die vor dem Europäischen Gerichtshof eine Anhörung zum Lösung der Abtreibungsfrage in Irland durchgefochten haben, gab es heute natürlich erste erschütterte Stimmen dazu:

Yesterday, the Pro-Life Campaign – which has lodged submission on the case to the European court – accused the IFPA of ignoring the fact that Ireland without abortion is the safest country in the world in which to be pregnant.

Its spokeswoman, Dr Berry Kiely, said: “Women are safer in Ireland when pregnant than countries like Britain and Holland, which allow abortion on demand. It is most unfortunate that those seeking to have abortion legalised here would have us believe that the opposite is true.”

Wenn mir jetzt noch jemand erklären könnte, worin der direkte Zusammenhang zwischen "sicherer Schwangerschaft" und dem Recht auf Abtreibung besteht, dann wäre ich äußerst dankbar dafür ... Ich habe bislang selten so eine eigenartige "Argumentation" gehört.

Zitat aus der Irish Times

Dienstag, 21. April 2009

Irische Abtreibungslösung auf dem Prüfstand?

Beim europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassbourgh haben drei nicht namentlich genannte Irinnen nun ein erstes Hearing zur irischen Lösung der Abtreibungsfrage erreicht.
Nun, irische Lösung ist wohl etwas übertrieben, denn Abtreibung ist in Irland schlicht und einfach verboten. Und somit ist dies (um Kollegen Gombeen Man zu zitieren) einer der größten irischen Exportschlager, vor allem nach England. Dorthin treten Jahr für Jahr Tausende junge Irinnen den Weg an, um eine Abtreibung vornehmen zu lassen.
Ich will hier keine Grundsatzdiskussion über die Abtreibung an sich entfachen. Meiner Meinung nach gibt es Fälle, wo eine Abtreibung sehr wohl von Nöten und - Entschuldigung - sogar sinnvoll ist.
Und ein Land wie Irland sollte auch eine solche Möglichkeit bieten, damit Frauen in Not hier in vernünftigen Kliniken den Eingriff vornehmen lassen können, und auch eine dementsprechende Beratung und auch Nachversorgung haben.
Ohne deshalb gebrandmarkt zu werden, und ohne in die Halbillegalität abtauchen zu müssen.
Jenseits von Scheinmoral und Apostelmentalitäten.

Es bleibt abzuwarten, was die drei Frauen beim Gerichtshof erreichen. Mutig ist der Schritt auf alle Fälle.

Den ganzen Artikel dazu gibts hier in der Irish Times.

Und in diesem Zusammenhang sollte man sich auch einmal überlegen, wie es in diesem Land mit der Aufklärung der jungen Leute, der Sexualkunde an und für sich und den dafür notwendigen Beratungsorganisationen aussieht ...

Montag, 20. April 2009

Unglückliche Zahlen

Unglückliche Zahlen 1: 287.000 Euro ...
... kostete ein Staatstrip von Teilen der irischen Regierung, der jetzt im Dail behandelt wird. Und auch im Irish Examiner:
The extraordinary bill for the flight to south-east Asia and Australia is so high it is to be raised in the Dáil.

Dermot Ahern, who was foreign minister at the time of the trip in February 2008, and nine other passengers jetted to Dubai, Malaysia, East Timor and Australia before returning home.

The party spent a total of 36.5 hours in the air at a cost to the taxpayer of €7,700 per hour. The total €287,000 flying bill does not include food or accommodation for the group, it has emerged.
Gerade in Sparzeiten wird so etwas der Regierung natürlich doppelt vorgehalten.

Unglückliche Zahlen 2: 100.000 Tage...
... fehlte die Belegschaft der HSE alleine im Jänner 2009. Somit liegt die Abwesenheits- (Krankenstands-)rate bei 6,82 Prozent. Fast doppelt so hoch wie im privaten Sektor. Jährliche Kosten für Ersatzpersonal durch diese hohe Abwesenheit lt. Irish Examiner: ca. 150 Millionen Euro. Handlungsbedarf!

Unglückliche Zahlen 3: 14,530,193,00 Euro ...
... hab ich nicht gewonnen. Obwohl auch ich um 4 Euro Lotto gespielt hatte, aber leider mit den falschen Zahlen. Naja, Arbeit ist ja auch was Schönes ...

Sonntag, 19. April 2009

Wochenend und Sonnenschein

Am Ende eines absoluten Traumwochenendes hier im County Wicklow findet sich auch wieder mal Zeit, ein paar Zeilen in den Blog zu schreiben.
Nach all den Horrormeldungen und Negativschlagzeilen der letzten Wochen und Monate wieder einmal ein höchst willkommender Ausgleich, diese letzten zwei Tage: Absolutes Traumwetter, viel Zeit für die Familie, gemeinsame Unternehmungen und nette Unterhaltungen mit den Nachbarn. Außerdem hat unser Junior gerade das erste Mal Freunde zu Besuch im neuen Haus, auch das ein ganz wichtiger Punkt.
Nachdem wir in der Vorwoche im Polen-Shop (thank heaven for that!) Germ (dt. Hefe) entdeckt haben, habe ich mal wieder meine Back"künste" unter Beweis gestellt. Brioche mit Topfenfüllung. Sieht aus wie verbranntes Brot (dieser tolle neue Ofen ...), schmeckt aber hervorragend ;-)

Heute dann ein gemeinsamer Ausflug mit Wanderung am St. Kevin's Way Richtung Glendalough in den Wicklow Mountains. Äußerst empfehlenswert, und auch nicht schwierig oder anstrengend. Ein paar Fotos davon gibts am Ende dieses Blogeintrages. Eigentlich wollten wir danach noch nach Glendalough, aber die Massen von Menschen (alle Parkplätze gerammelt voll) haben uns davon abgehalten. Also doch lieber heim zum Tischtennisspielen.

Morgen beginnt auch (ENDLICH!!!) die Schule wieder ;-)

Und da wir seit der Vorwoche jetzt auch via Satellit wieder mit der TV-Außenwelt verbunden sind, verziehe ich mich jetzt und schaue mir die neue Folge von Navy CIS an. Man gönnt sich ja sonst nichts. Schönen Sonntag Abend noch, bis morgen.

Der St. Kevins Way in Bildern:



Samstag, 18. April 2009

Legalize it? Oder: Warum Hans Söllner bald Urlaub in Irland machen könnte.

Wir wissen aus der deutschen Musikszene, dass der Vater von Hans Söllner einen Marihuana-Baum hatte. Nun sollen in Zukunft bald auch Sean O'Donneghue und Mary Fitzpatrick in den legalen Genuss einer Cannabis-Plantage im Hintergarten des Estate-Eigenheims - zumindest wurde diese Idee mal wieder laut angedacht.
Auch von Teilen der Labour wird die Legalisierung von Cannabis angedacht - praktischerweise will man damit auch gleich eine neue Steuer einführen und das marode Budget sanieren.

Nun, die Legalisierung von Cannabis ist keine so neue Idee. Und wurde in vielen Ländern angedacht, oftmals gefordert, aber nur selten verwirklicht.

Heute morgen wurde auf Today.FM hitzig darüber diskutiert. Häufigstes Argument der Befürworter: Es ist ohnedies soviel Cannabis im Umlauf, dass man von der Legalisierung profitieren würde. Man könnte Steuern erheben und hätte eine bessere Kontrolle. Letzteres wage ich zu bezweifeln.
Naturgemäßes Gegenargument: Cannabis ist oft eine Einstiegsdroge, aber auf jeden Fall eine Droge. Und darf nicht legal werden, um die Jugend zu schützen.

Ich denke nicht, dass sich gerade in Irland eine Mehrheit für die Legalisierung von Cannabis finden lässt. Und via "Drogen"freigabe das Budgetloch zu stopfen, erscheint mir auch reichlich weit hergeholt.

Andererseits würde das für die geplagte Tourismus-Industrie ganz neue Möglichkeiten schaffen *fg* Ich sehe vor meinem geistigen Auge schon, wie sich Hans Söllner auf der Ryanair-Homepage einloggt, um nach einem günstigen Direktflug zu suchen ...

Freitag, 17. April 2009

Ire stirbt (morgen) bei Verschwörung gegen Boliviens Präsident Evo Morales

Eines vorweg: Entweder der Irish Examiner ist wirklich die investigativste Zeitung der Welt und weiß heute schon, was morgen passieren wird, oder das Blatt ist in die aufgedeckte Verschwörung involviert - denn dort lesen wir schon jetzt, was morgen, Samstag, passieren wird (siehe Screenshot links).
Wahrscheinlich hat man sich aber einfach nur beim Datum vertan ...

Ein noch nicht namentlich bekannter Ire ist dort im Zuge eines Feuergefechts in der bolivianischen Stadt Santa Cruz erschossen worden. Nach Angaben des Examiner war er einer von drei Verschwörern, die ein Attentat auf Boliviens Präsident Evo Morales planten. Dieser war jedoch darüber informiert, und ordnete einen Gegenschlag an, bei dem heute morgen die drei mutmaßlichen Attentäter erschossen wurden - darunter eben auch ein Ire. So jedenfalls die offizielle Version.
Das Attentat wurde zum Glück vereitelt, und Morales kann sich jetzt wieder seinem Hungerstreik widmen, in den er kürzlich getreten ist.

Donnerstag, 16. April 2009

Just a Joke

Gerade beim Stöbern im Internet gefunden (alt aber gut):
Spanish singer Julio Iglesias was on television with British TV host
Anne Diamond when he used the word 'manana'. Diamond asked him to
explain what it meant. He said that the term means "maybe the job will
be done to-morrow, maybe the next day, maybe the day after that. Perhaps
next week, next month, next year. Who cares?" The host turned to
Irishman Shay Brennan who was also on the show and asked him if there
was an equivalent term in Irish. "No. In Ireland we don't have a word to
describe that degree of urgency.", replied Brennan.

Mehr Irland-spezifische Witze gibts auf dieser Homepage.

Ja geht's denn noch, Mr. Lenihan?

Glaubt man der Internetseite breakingnews.ie, dann plant Brian Lenihan, Irlands hochüberforderter Finanzminister, nun eine neue interessante Steuervariante. Statt, wie bisher angekündigt, die Erhöhung der Income Levy mit Anfang Mai durchzuziehen, soll diese nun rückwirkend ab 1. Jänner fällig sein.
Wie darf ich mir das denn vorstellen? Erhöhte Abzüge für die ersten vier Jahresmonate dann komplettiert mit der Maiabrechnung, oder wie?
Und mal eine persönliche Frage: Darf man das in dieser Form eigentlich überhaupt? Und wo ist die Grenze? Kann Lenihan nächste Woche herkommen und sagen: "Okay, wir haben uns mal wieder verrechnet, es reicht nicht, wir machen die Steuer jetzt rückwirkend mit Anfang 2004? - Okay überzeichnetes Beispiel, aber so sicher ist ja derzeit überhaupt nichts mehr.
Mit geht es weniger um die paar Euro fünfzig, die da zusätzlich fällig werden, sondern eher darum, dass man derzeit überhaupt keine Planungssicherheit mehr hat, wenn jetzt auch das bereits ausbezahlte und versteuerte Gehalt rückwirkend angegriffen wird.
Meines Wissens nach ein irisches Unikat, darum würde mich umso mehr interessieren, ob das so einfach möglich ist, und wo die Grenzen sind.
Ganz "normal" kommen mir diese erneuten Schröpfaktionen jedenfalls nicht mehr vor.

Nachtrag: Mittlerweile (13.30) ist die Meldung überraschender Weise unisono von breakingnews.ie, dem Irish Independant und der Irish Times verschwunden. Entweder es handelte sich um eine "Ente" (der dann auch ich aufgesessen wäre), oder die Regierung wünscht keine Berichterstattung darüber.

Kurzer Blick in die alte Heimat: Österreich am Rande des Bankrotts?

Überraschende Nachrichten aus der alten Heimat Österreich: Der US-Starökonom und Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman sieht neben Island und Irland auch Österreich am Rande des Staatsbankrotts. Hauptargument Krugmans dafür: Österreichs Banken haben mehr als 200 Milliarden Euro in Kreditform in Osteuropa ausgegeben, und in der derzeitigen Wirtschaftslage gibt es ein sehr hohes Risiko für massive Zahlungsausfälle bei diesen Krediten.
Die Insel der Seligen (wie uns immer vorgegaukelt wurde) am Rande der Pleite?
Natürlich bildete sich umgehend eine Allianz quer durch alle Parteien, um Krugman vehement zu widersprechen. Persönliche Motive wurden ihm vorgehalten, Fehlinformationen und zuwenig Hintergrundinfo. Natürlich "sei das alles überhaupt nicht so."
Für mich stellt sich jetzt allerdings die Frage, welche Quelle zuverlässiger ist: Die Aussage eines Nobelpreisträgers und weltweit angesehenen Ökonomen, oder die Gegenaussage zum Beispiel eines österreichischen Finanzministers, der diesen Job hauptsächlich deswegen inne hat, weil er der Neffe eines halbwegs angesehenen niederösterreichischen Landespolitikers ist.
Ich weiß für mich, wessen Aussage ich mehr vertraue. Auch wenn ich nicht wirklich glücklich drüber bin.

Heute bestätigt Paul Krugman auf seinem Wirtschafts-Blog, den er für die New York Times schreibt, seine Aussagen - wenngleich auch in etwas abgeschwächter Form. Den Link dazu findet man hier.

Dienstag, 14. April 2009

Positiver Trend bei B&Bs

Obwohl Irland unter sinkenden Touristenzahlen leidet, können sich zumindest die Betreiber von Bed and Breakfast-Unterkünften, den so genannten B&Bs freuen: Nach Zahlen, die heute von der Town and Country Homes Association veröffentlicht wurden, stiegen die Buchungen für B&Bs in diesem Jahr gegenüber dem Vergleichszeitraum 2008 um satte 20 Prozent.
Auf Grund der Rezession steigen auch viele Urlauber wieder von den teureren Hotelunterkünften auf die etwas billigere B&B-Beherbergung um, das gibt zumindest die TaC als Hauptgrund an.
Im Gegenzug dazu fehlen all diese Touristen natürlich in der Hotellerie, der ein sehr hartes Jahr bevorstehen dürfte.

Im Bild: Die Seabreaze-Lodge in Galway

Montag, 13. April 2009

Zum Ostermontag

Nach einer kurzen Computer- und Blogpause übers Osterwochenende geht es ab morgen wieder wie gewohnt weiter.

Nachträglich ein schönes Osterwochenende (das Wetter bei uns war ja wirklich überraschend schön) und ein kleines Bonmot, über dass ich vor kurzem gestolpert bin: Eine grenzgeniale Zusammenarbeit von zwei hervorragenden britischen Komikern, Monty Phyton's John Cleese und Mr. Bean Rowan Atkinson. Viel Spaß!

Freitag, 10. April 2009

Wenn Beichten alleine nicht genug ist: Über Arschlöcher in der Soutane

Gemunkelt wurde immer schon darüber, hinter vorgehaltener Hand gesprochen, teilweise wurden Fälle auch öffentlich. Aber noch nie in so einem Ausmaß wie jetzt: Im kommenden Monat wird ein Report der Murphy Comission enthüllen, dass zwischen 1975 und 2004 Tausende von Kindern und Jugendlichen in Irland von Priestern sexuell missbraucht und vergewaltigt wurden.
THOUSANDS of children were raped and abused by Catholic priests, many of them serial offenders in the Dublin diocese over a 30-year period, a shocking report on clerical sex abuse will reveal next month.
Der Dubliner Erzbischof Diarmuid Martin (der von Johannes-Paul II. eingesetzt wurde, nachdem der Riesenskandal ruchbar wurde) wandte sich gestern im Rahmen der Gründonnerstagsmesse ungewohnt offen an seine Audienz:
Addressing the Holy Thursday Chrism Mass in Dublin's Pro-Cathedral, which was attended by priests from throughout the archdiocese, Archbishop Martin said that the full horror of decades of physical, sexual and psychological torture of children has not been recognised. Admitting publicly that "the archdiocese of Dublin is facing challenges of a kind that it has not experienced for many years," he said "the Report of the Commission on Child Sexual Abuse will shock us all.

"It is likely that thousands of children or young people across Ireland were abused by priests in the period under investigation and the horror of that abuse was not recognised for what it is." Last night a senior church source told the Irish Independent that the report of the Government-appointed Commission of Investigation into the Archdiocese of Dublin is likely to be published in "the next four to six weeks time".

Heute ist Good Friday. Der Tag, an dem Jesus für uns ans Kreuz gegangen ist. So berichtet uns das zumindest die Lehre der römisch katholischen Kirche. Schuldenerlösung und so ...
Und alle Schäflein die diesem Verein angehören, sollen immer brav und redlich leben und schön ihre Sünden beichten (und nebenbei dem Oblaten-Verein noch kräftig Spenden nachwerfen).

Beichten alleine wird in diesen Fällen aber bei weitem nicht genug sein. Eine unglaubliche Anzahl an jungen Menschenleben, die da durch schwanzgesteuerte Scheinmoralisten zerstört worden ist.

Man kann gar nicht so viel essen wie man kotzen möchte.

Wenigstens kommt jetzt Mr. Martin zu der Schlussfolgerung, dass das schon ganz schön traurig sei:
"This is a sad thing to say"
Ach nein? :-(

Den ganzen Bericht dazu gibts hier im Irish Independant.

Persönliche Nachbemerkung: Würde man am Ende einer Messe statt des Klüngelbeutels einen Spucknapf durchreichen, würde dieser zurecht um einiges voller werden.

Donnerstag, 9. April 2009

DIY-Divorce II: Scheidung zum Fixpreis

Eines gleichmal vorweg, damit da keine falschen Gerüchte entstehen: Ich beschäftige mich nicht aus privaten Gründen mit dem Thema Scheidung (nichts läge mir ferner), mir stechen nur in letzter Zeit diese eigenartigen Inserate ins Auge.

Offensichtlich haben in wirtschaftlichen Krisenzeiten auch die Scheidungen Hochkonjunktur, was weiß ich...

Nachdem ich vor wenigen Tagen hier über den Do-it-yourself-Divorce-Kit berichtet habe, gibts nun schon die "Flatrate" dazu: Scheidung zum Fixpreis von nur 500 Euro, wie der angefügte Screenshot belegt:

Der Link zu dieser Seite war übrigens auf www.breakingnews.ie zu finden - irgendwie passend *g*

Ein Fall für den Rechenstift

Gestern gingen ja auch die Online-Diskussionen rund um das Emergency Budget von Brian Lenihan hoch her. Zwischen "Alles halb so wild" und "Sauerei" war beinahe jeder Terminus zu finden. Klar, jede/r ist irgendwie anders betroffen von den neuen Steuern und Einsparungen.
Auch ich kann es nur anhand der eigenen Fakten beurteilen. Und die haben bei einem relativ genauen Rechenbeispiel gestern abend ergeben, dass uns dieses Emergency Budget aufs volle Jahr hochgerechnet in etwa € 1.860 kostet. Also Geld, das wir weniger zur Verfügung haben. Nicht eingerechnet den 8%-Paycut, der in unserer Firma gerade durchgezogen wird.
Und das ist - sorry - nicht gerade wenig. Aber - noch - zu verkraften.
Schade nur, dass dieses Geld nur zum Löcher stopfen verwendet werden wird, und nicht zum dringend notwendigen Ankurbeln der maroden Wirtschaft.

Mittwoch, 8. April 2009

Auch Dublin muss sparen

Im Schatten von Brian Lenihans Emergency Budget hat gestern Abend auch das Dublin City Council Einsparungen in der Höhe von rund 30 Millionen Euro beschlossen.

Darunter die Folgenden:
* Insgesamt 4 Millionen Euro (davon 3 Mio. bei den Überstunden) bei der Feuerwache
* Das Straßenbudget wird um 4,5 Mio. Euro gekürzt.
* Das Renovierungs- und Instandhaltungsbudget für Council-eigene Häuser wird um 7,6 Mio. Euro gekürzt.

Weiters bleiben zum Beispiel aufgrund der gekürzten Überstunden ab sofort vier Recycling-Center am Wochenende geschlossen:
Recycling centres at Rathgar, Ballyfermot, Crumlin and Grangegorman are being closed at weekends because of the overtime cut.
Interessantes Detail am Rande: Die Sinn Fein nennt interessante Zahlen über die Außenstände von Developern beim County Council:

Sinn Féin Cllr Daithi Doolin said the cutbacks totalling €30m are unacceptable.

He said responsiblity for the financial crisis lies with developers who owe the council more than €120m in levies.

Quelle: www.rte.ie

Dienstag, 7. April 2009

Emergency Budget: Keine Ahnung, keine Meinung, kein Konzept? *

Seit wenigen Stunden ist also nun die Katze aus dem Sack: Finanzminister Brian Lenihan stellte heute sein zweites Budget in sechs Monaten, das so genannte Emergency Budget, vor. Und erhielt dafür naturgemäß Lob und Applaus von der Regierung und Kritik von der Oppositionsbank.
Wer in Lenihans Budget etwas bahnbrechend Neues sucht, der sucht vergebens. Wieder einmal wird versucht, den ohnehin schon gebeutelten Steuerzahlern noch etwas mehr aus der Tasche zu quetschen. Die Income Levy wird erhöht, ebenso die Health Levy. Dazu eine Kürzung der Back-To-Work Allowance, die Einbehaltung des Weihnachtsgeldes bei Social-Welfare-Beziehern, die Taxierung von Childcare-Supplements usw. usf.
Nebenbei werden Zigaretten um 25 Cent teurer (über die Sinnhaftigkeit dieser Erhöhung haben wir hier ja schon öfter diskutiert - die Schmuggler und NI-Käufer werden wieder mehr, und der Umsatz wieder weniger), und der Diesel wird um 5 Cent höher besteuert. Das sicherheitshalber gleich ab Mitternacht.
Eine Übersicht über alle Punkte, die Lenihan heute zur Sprache brachte, findet man hier in der Irish Times.

Okay, auf der Insel nichts Neues. Und viele haben es schon jetzt schlimmer und schmerzhafter erwartet. Einmal mehr versucht die Regierung krampfhaft, die entfleuchten Millionen aus der Bevölkerung herauszupressen. Diesmal sogar mit kleineren Zugeständnissen in den eigenen Reihen (Ausgabenbeschränkung, Postenkürzung).

Großen Einfallsreichtum beweist dieses Budget nicht. Zumal Lenihan es auch gleich mit der tollen Aussage eingeleitet hat, dass während des Steuerjahres manche Punkte nicht angepackt werden können. Soll heißen, mit Ende des Steuerjahres kommt die nächste Welle.

Irland (und speziell die FF) hätte in den vergangenen, fetten Jahren mehr als genug Gelegenheiten gehabt, schonend steuernd einzugreifen, Rücklagen zu bilden und sich für Rezessionszeiten vorzubereiten. Stattdessen wurde auch von Seiten der Politik weiter mit Siebenmeilenstiefeln in der Ausgabenzone herumgelaufen, und das böse Erwachen kommt jetzt - für alle, die auf der Insel leben.

Geht man davon aus, dass dieses Übergangsbudget längst noch nicht alle Grauslichkeiten offenbart, die die Regierung noch meint durchsetzen zu können/müssen, wird das Ganze langsam aber sicher zum ernstzunehmenden Problem.

Das heutige Emergency Budget beweist die absolute Fantasie- und Konzeptlosigkeit der Regierung Cowen. Keine alternativen Denkanstöße, lediglich noch mehr Steuern und Abgaben.

Und, um wieder zu meinem Dauerthema zurückzukommen: Auch heute - bei dieser so immens wichtigen Sitzung - wurde kein Wort darüber verloren, wie Cowen und Konsorten gedenken, den Wirtschaftsstandort Irland zu sichern, Arbeitsplätze zu schaffen, und die Bevölkerung zum vernünftigen Konsum anzuregen.

Obama hat in den USA die Wahl gewonnen, indem er angekündigt hat, dass es "Time for Change" sei. Die ist es - politisch und kursmäßig - hierzulande auch. Und zwar allerhöchste.

Das Cowen und Co. es nicht besser können (ich will ihnen das Bemühen nicht abstreiten), haben sie nun mehrfach bewiesen. Jetzt ist es Zeit, dass es andere versuchen dürfen.

Konjunkturpakete sind gefragt, positive Stimmungsmache und Standortsicherung. Und Arbeitsplätze, Arbeitsplätze, Arbeitsplätze. Nicht neue Aus-der-Not-heraus-Steuern á la Lenihan.

* Ehre wem Ehre gebührt: Den hinteren Teil des Titels habe ich mir von Marius Müller-Westernhagen ausgeborgt.

Großartige irische Erfindung

Da soll noch einer behaupten, im Bereich Forschung und Entwicklung würde sich auf der Insel nichts abspielen *g*

Dank der großartigen Erfindung von Belfaster Wissenschaftlern sind uns Männern - und nicht nur uns *fg* - jetzt ganze vier Minuten mehr beschert ...

Und das berichtet auch noch eine hochangesehene und renommierte Quelle ;-)

http://www.bild.de/BILD/unterhaltung/erotik/2009/04/07/sex-spray/iren-entwickeln-spray-das-vor-vorzeitiger-ejakulation-schuetzt.html

Und, bevor einer fragt: Nein, ich lese dieses Blatt nicht. Der Link war bei den Google-News dabei ;-)

Montag, 6. April 2009

Fußball: Ire coacht Färöer

Der ehemalige irische Teamchef Brian Kerr ist ab sofort neuer Nationaltrainer des Fußballteams der Färöer Inseln.
Nun, an sich keine besondere Meldung, aber Färöer... da war doch was?
Genau, bei der Erwähnung dieses zu Dänemark gehörenden Inselstaates hoch oben im Norden verkrampft sich das Herz jedes österreichischen Fußballfans auch heute noch. Das Anti-Cordoba sozusagen.
12. September 1990, Landskrona, Schweden: Österreich verliert das Duell gegen den vermeintlichen Jausengegner Färöer mit 0:1. Das ist sogar Wikipedia eine eigene Seite wert, die man hier findet. Am Tag nach der Niederlage gegen die Fußballzwerge (deren Torwart Knudsen - siehe Bild der Süddeutschen Zeitung - mit Zipfelmütze eine Legende wurde) trat Josef Hickersberger zurück.
Insofern: Alles Gute für Mr. Kerr und die Färöer. Und mögen sie in absehbarer Zeit nicht mehr gegen Österreich spielen *g*

Ein rockiger Sommer ...

... steht uns bevor. Für Leute wie mich (respektive mit einem ähnlichen Musikgeschmack) gibt es dieses Jahr in Irland ein Konzert-Highlight nach dem Anderen. Über die Rückkehr der Eagles und von Leonard Cohen habe ich ja schon berichtet, aber es gibt noch etliche weitere Konzerttermine, die ich Euch ans Herz legen möchte:

18. April, O2 Dublin: AC/DC

6. Mai, O2 Dublin:
Bob Dylan and his Band

12. Juni, O2, Dublin: Def Leppard, Whitesnake, Journey & Tesla
21. Juni, O2 Dublin: Neil Young & Friends
22. Juni, Marquee Cork: Tracy Chapman
23. Juni, Marquee Cork: Chickenfoot*
25. Juni, Marquee Cork: Simple Minds

2. Juli, RDS, Dublin: The Eagles
19. + 20. Juli, O2 Dublin: Leonard Cohen
Zusatzkonzert: 22. Juli, O2 Dublin: Leonard Cohen
24. + 25. Juli, Croke Park Dublin: U2
26. Juli, Odyssey Belfast: Leonard Cohen
27. Juli, Croke Park Dublin: U2



* Wem Chickenfoot jetzt noch nichts sagt: Das ist die brandneue Band von Gitarrengott Joe Satriani (Bild) gemeinsam mit Sammy Hagar und Michael Anthony (beide Ex-Van Halen) sowie Chad Smith (Ex-Red Hot Chilli Peppers)

Auf jeden Fall werde ich vor allem im Juni einige Kilometer hinter mich bringen müssen ;-)

Nachtrag: Nachdem die beiden Dublin-Gigs von Leonard Cohen innerhalb einer Stunde restlos ausverkauft waren (hier war man erfolgreich *fg*), gibt es jetzt einen zusätzlichen Termin am 22. Juli. Die Karten sind ab sofort im Handel.

Das Konzert der Eagles in Galway wurde wegen mangelndem Ticketvorverkauf (kein Wunder bei den Preisen!) abgesagt, deswegen wurde der Termin jetzt auch oben in der Liste rausgenommen!

Bild: Jon R. Luini

DIY-Divorce: Bis dass das Internet uns scheidet

Na, liebe Leserin? Haben Sie in Rezessionszeiten genug vom eben arbeitslos gewordenen holden Gatten? Oder, lieber Leser, haben Sie schon einmal durchgerechnet, dass bei sinkenden Löhnen die Ehegattin doch auf Dauer zu teuer kommt?
Nun, Ihnen kann geholfen werden. Und zwar rasch und unbürokratisch übers Internet: Die Homepage "Do-It-Yourself-Divorce" (www.diydivorce.ie) rühmt sich nun in Zeitungsinseraten damit, 'quicker, more affordable and absolutely uncomplicated' ihre Scheidung zu organisieren.
Manchmal bringt das Internet-Zeitalter schon eigentümliche Ideen zutage.
Einziger Wermutstropfen für Versuchswillige: Man muss schon vier Jahre getrennt leben, um die Dienste dieser Seite in Anspruch nehmen zu können. Doch das erfährt man erst auf der zweiten Seite.
Vor allem das "End-of-the-year-Special" (siehe Ankündigung auf der Homepage, Faksimile oben) würde mich interessieren: Weihnachtsrabatt für Scheidungswillige???
Falls Sie noch professionelle Unterstützung im Entscheidungsprozess benötigen, ob die oben genannte Internet-Seite auch für Sie in Frage kommt, dann wäre gleich neben dem Inserat für DIY-Divorce noch eine passende Annonce abgedruckt: Unter 1580-988 174 (für rezessionstaugliche 2,40 Euro pro Minute) gibt Ihnen Crystal, 'the Angel of Truth and Clarity' engelszungenhaft Auskunft aus einer anderen Welt... (Positiver Nebeneffekt: Nach Inanspruchnahme dieses Call-Dienstes gibt es wenigestens nicht mehr so viel teilbares Vermögen bei der Scheidung ...)

Ende der Flugstunde

Aer Lingus-Chef Dermott Mannion legte heute mit sofortiger Wirkung sein Amt als CEO der ehemals staatllichen Fluglinie zurück. Seinem Interview zu entnehmen, nicht ganz freiwillig, aber offiziell, um einem neuen CEO mit neuen Ideen Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten.
Eine Abschiedsprämie von rund einer Million Euro nimmt Mannion von der finanziell schwer angeschlagenen Airline noch mit, wahrscheinlich anstelle der goldenen Uhr, die verdiente Mitarbeiter sonst woanders zum Farewell bekommen.
In der wirtschaftlich schwierigsten Zeit seit langem steht nun die Aer Lingus ohne Boss da, und einen geeigneten Nachfolger gilt es erst zu finden.
Mannion war unter anderem dadurch vor kurzem in die Schlagzeilen gekommen, dass er sich vertraglich einen Bonus von 2,8 Mio. Euro zusichern ließ, falls die Übernahme der Aer Lingus durch die Ryan Air gelingen sollte. Als dies bekannt wurde, wurde diese Passage des Vertrages aber umgehend gestrichen.
Abzuwarten bleibt, ob durch einen Führungswechsel die Aer Lingus wieder in die schwarzen Zahlen fliegen kann. Ich vermute eher, dass schon bald ein neues Angebot zur Übernahme durch Erfolgs-Clown Michael O'Leary kommt. Und wer weiß, vielleicht ist ja neuen Verhandlungen mit einem neuen Aer Lingus-CEO dann Tür und Tor geöffnet? Es bleibt auf jeden Fall spannend am irischen Luftmarkt, und ich bin der Meinung, dass langfristig nur Platz für eine der zwei dominierenden Fluglinien übrig bleibt.

Sonntag, 5. April 2009

Warum Fußballspielen in Nordirland billiger ist?

Kuriosum zum Sonntag: Sohnemann interessiert sich für ein Fußballcamp in den Sommerferien. Und am Freitag haben wir die Anmeldebedingungen erhalten, samt einem Gutschein über 10 Prozent des Gesamtpreises. Sehr gut.
Was uns allerdings etwas stutzig macht, sind die Preisunterschiede. Diese Camps werden inselweit abgehalten, und kosten in der Republik pro Kind 99 Euro. Das heißt, wir bekommen 9,90 Euro Rabatt. Interessanterweise jedoch kosten die selben Camps (keine Unterschiede laut Veranstalter-Homepage) in Nordirland nur 40 Pfund, also nach aktuellem Kurs nicht einmal die Hälfte. Trotz unterschiedlicher Mehrwertsteuer für uns nicht wirklich erklärbar.

Warum ist das so? Trapattoni-Bonus? Ball-Tax von Brian Cowen? Steigen die Preise mit dem aktuellen FIFA-Ranking?

Keine Ahnung. Wir haben uns mal per Mail beim Veranstalter erkundigt. Falls wir Antwort darauf bekommen, warum Fußballspielen in Nordirland viel billiger ist als in der Republik, gibt es diese demnächst hier zu lesen.

Samstag, 4. April 2009

They got my car fixed

Wer so wie ich ein nicht mehr ganz fabriksneues Auto fährt, der sollte sich immer nach einer passenden Werkstatt umsehen ;-) Kleiner Tipp: Direkt am Blessington Roundabout betreiben vier Litauer seit einiger Zeit eine KFZ-Werkstatt. Da war mein Auto notgedrungen ein paar Tage.
Und ich bin mit dem Ergebnis vollauf zufrieden. Rasch und unkompliziert abgeschleppt, perfekt repariert und Auto auch noch geputzt. Und - für mich eine Premiere bei einer KFZ-Werkstatt: Um 50 Euro billiger als im Kostenvoranschlag.
Absolut empfehlenswert.

Der Countdown läuft

Am 7. April - also in wenigen Tagen - veröffentlicht die Regierung ihr Notfall-Budget, um der Krise Herr zu werden. Noch sind die meisten Inhalte dieses Budgets reine Spekulation, auf jeden Fall kann man sich auf Überraschungen gefasst machen.
Schenkt man einem Bericht des heutigen Irish Independant Glauben, dann werden - zumindest vorläufig - drei Bereiche von Budgetkürzungen verschont bleiben: Das Child Benefit, die Social-Welfare-Zahlungen sowie - Ankündigungen Brian Cowens widerlegend - die Anzahl der Junior Ministers. Bei diesen drei Bereichen erwartet man später im Jahr Einschneidungen.
Wie auch immer, Brian Cowen spricht davon, dass auch dieses Budget keine "silver bullet" gegen die Krise ist. Und es werden sich nicht die letzten Kürzungen bzw. zusätzlichen Belastungen sein, die uns ins Haus stehen.
Gleichzeitig sagt Finanz-Primus Lenihan, dass er von der EU positive Signale empfangen hat, dass Irland viel mehr Geld als bisher geplant von anderen Ländern borgen kann. Trotz durch Ratingverlust stark gestiegener Zinsen. Wie das weitergeht, bleibt abzuwarten.
Mich interessiert derzeit eigentlich mehr als dieses Budget, wann endlich jemand von Investitionen in bestehende und neue Arbeitsplätze zu reden beginnt. Denn das ist wohl der Kernpunkt des Übels, oder?

Freitag, 3. April 2009

Just do it! - Bill Clintons Rezept gegen die Krise

The man, now eight years out of office as US president, admitted he should have pushed harder to regulate derivatives, but said he assumed the rich people buying them knew what they were doing. He spoke without notes to an audience of 2,000 mostly young people from NGOs and left-leaning political groups gathered in the European Parliament to find new answers to the economic, food, climate and energy crisis. There was a danger world leaders, so concerned about coping with the collapse of the global economy, would decide now was not the time to look after the needs of the poor in their societies or in the rest of the world. But, he said, they would be wrong to take this view as the global economy, inequality, instability, and sustainability were intertwined. Inequality was growing, he warned, citing that two-thirds of American citizens before the economic collapse were worse off than when he left office. "The US economy collapsed because we went back to policies that promoted inequality even more than the collapse of the financial system," he said. Instead of cramming money into housing and risky speculation and creating consumer debt, the US should have been making a serious commitment to clean energy and creating jobs. The way out of the economic crisis was to create millions of jobs in clean energy and energy efficiency, he said, echoing the policies of President Barack Obama. The way to convince countries like China was to show them that it worked and that there were lots of examples, such as creating electricity from landfill sites, he said.
Dieser Auszug stammt aus einer spontanen Rede, die der ehemalige US-Präsident Bill Clinton vor 2000 Zuhörern in Brüssel hielt. Die gesamte Rede gibt es hier im Irish Examiner.
Größtenteils kann man ihm voll und ganz zustimmen, und der Inhalt seiner Rede ist nicht nur für die USA gültig. Es fehlt an "Anpackern", hüben wie drüben.

Poor Standard II: Missverständnisse und Halbentschuldigungen

Nachdem die Rating-Agentur Standard & Poors das Kreditrating von Irland zurückgestuft hat, und gleichzeitig vorschlug, dass ein Regierungswechsel von Nöten sein könnte, hat das für Aufruhr gesorgt. Finanzminister Brian Lenihan zeigte sich entrüstet und forderte eine Entschuldigung.
Diese bekam er nun postwendend, und sie hätte nicht klarer und eindeutiger ausfallen können ;-)
Zitat:
But Mr Gill's boss has now written to Mr Lenihan saying he "regrets any misunderstanding".
Mr. Gill war derjenige, der den fatalen Nebensatz fallen ließ. Sein Boss hat sich nun dafür - mehr oder weniger - entschuldigt.
In meinen Augen nicht wirklich sehr überzeugend. Aber sei es wie es sei: Ganz zu Unrecht ist der Vorschlag von Standard & Poors ja nicht gekommen. Und ob diese Halbentschuldigung das nun wieder rückgängig machen kann, wage ich zu bezweifeln.
Brian Lenihan zumindest war damit zufrieden. Na dann ...

Donnerstag, 2. April 2009

Volker Pispers: Hervorragendes politisches Kabarett

Volker Pispers ist für mich der derzeit beste und zielsicherste deutschsprachige politische Kabarettist. Ohne sich ein Blatt vor den Mund zu nehmen, denkt er laut vor sich hin und trifft den Nagel auf den Kopf. Für mich der beste Satiriker aus Deutschland seit Dieter Hildebrandt.
Wer Pispers (noch) nicht kennt, hier ein paar Links zu ihm:
http://www.volker-pispers.de
http://www.youtube.com/watch?v=uNHch1YSB3s
http://www.youtube.com/watch?v=7U0aU83wwME
http://www.youtube.com/watch?v=h-3QGh72PVk

Verbrechen lohnt sich nicht ...

... vor allem, wenn man es mit dieser katastrophal schlechten Idee ausführt wie im Jahr 2004 ein (heute) 29jähriger Ire aus Blanchardstown, der dafür gestern vor dem Court verurteilt wurde.
Aus der Not heraus entstehen manchmal wirre Pläne, die aber an der Realität scheitern. So auch dieser. Der mit seinem Sohn bei seiner Mutter lebende Desmond O'N. überfiel (mit Schal maskiert und Maurerfäustel bewaffnet) kurz vor Ladenschluss den kleinen Laden direkt gegenüber seines Wohnhauses. Und obwohl ihn die Verkäuferin sofort erkannte und sogar bei seinem Vornamen ansprach, zog er das Verbrechen durch und erbeutete 900 Euro in Cash und 1200 Euro in Schecks.
Er wurde natürlich sofort von der Garda vernommen, leugnete aber das Verbrechen standhaft bis ins Jahr 2008, also vier Jahre lang.
Gestern vor dem Court zeigte er dann doch Reue und lieferte ein Geständnis ab.
Die Verkäuferin, die er überfallen hatte, kannte den Schuldigen schon sein ganzes Leben lang. Logisch, weil das Geschäft ja direkt gegenüber seinem Elternhaus lag. Ein äußerst dummer Plan, genau dieses Geschäft zu überfallen. Musste schiefgehen.

Mittwoch, 1. April 2009

Das Eircom-Unser. Oder: Über das Glücksgefühl des Freizeichens in den irischen Outbacks

Eircom unser,
die Du denkst Du bist Gott
gehuldigt sei Deine Landline
gepriesen Dein Broadband
auch wenn es nicht allen
Deinen Jüngern zur Verfügung steht.

Deine Rechnung komme,
dein Wille ist zu akzeptieren
Wie beim Internet,
so auch beim Festnetz.

Gepriesen sei Dein Kundendienst
deren Service genüge
um sicherzustellen,
dass dich alle anbeten
solange Du noch ein Monopol bist.

Deine Privatiserung erfolge
so schnell als nur irgend möglich
um der kommunikativen Steinzeit
in diesem Lande
Einhalt zu gebieten.

Oder, anders ausgedrückt: DANKE, DANKE, DANKE, liebe Eircom, dass Du auch unser Flehen nach dem simplen Freischalten einer Festnetzleitung endlich erhören wolltest.

Ja, wir haben eine Festnetzleitung. Die auch funktioniert. Eigentlich unglaublich, wir freuen uns richtig drüber. Über die Einfachheit unseres Anliegens (Nummer bleibt gleich, Leitung existiert und ist frei, nur der Rechnungsempfänger gehört geändert) haben wir hier berichtet.
Nun, es ging auch nach dem Dienstag, als wir diesen Bericht verfasst hatten, munter weiter:

Mittwoch, 25. 3.: Anruf bei 1901-Service Enquiry (dem Himmel sei Dank eine Gratisnummer, sonst wären wir jetzt Pleite): Unser Antrag wird bearbeitet, es kann nicht mehr lange dauern. Natürlich hat das alles nichts mit der unbezahlten Rechnung der Vorbesitzer zu tun.

Donnerstag, 26. 3.: Weitere Nachfrage: Die Leitung wäre eigentlich schon frei, aber es gibt ein technisches Problem, man arbeitet grade dran. Natürlich hat das alles nichts mit der unbezahlten Rechnung der Vorbesitzer zu tun.

Freitag, 27. 3.: Das technische Problem ist gelöst, es kann noch zwischen 24 und 48 Stunden dauern, bis die Leitung frei ist. Natürlich hat das alles nichts mit der unbezahlten Rechnung der Vorbesitzer zu tun.

Samstag/Sonntag: Natürlich nichts. Wochenende. Versteht man ja.

Montag, 30. 3.: Neuer Anruf: Der Hammer. Da unser Antrag erst am 25. 3. ins System eingegeben wurde, dauert es ab diesem Zeitpunkt 10 Arbeitstage. Eine äußerst freundliche Kundendienstmitarbeiterin namens Marianne teilte uns mit, dass es nichts bringen würde, vor dem 8. April wieder anzurufen. Dann würde die Leitung voraussichtlich frei sein!!! Natürlich hat das alles nichts mit der unbezahlten Rechnung der Vorbesitzer zu tun.
Das Problem dann am Abend unserem Estate Agent geschildert. Der versprach, Eircom nochmals zu kontaktieren.

Dienstag, 31. 3.: Der Estate Agent meldet sich, und teilt uns mit, dass ihm Eircom gesagt hat, dass das Problem nun DOCH die unbezahlte Rechnung der Vorbesitzer ist. Und es ca. drei Tage dauert, bis das geregelt ist.
Darauf hin habe ich wieder bei Eircom angerufen. Dort wurde mir mitgeteilt, dass alles im Laufen sei, und überhaupt kein Problem. Natürlich hat das alles nichts mit der unbezahlten Rechnung der Vorbesitzer zu tun!!!
Daraufhin habe ich endlich die richtigen Phrasen gefunden. Genau will ich sie nicht aufschreiben. Beinhaltet haben sie aber, dass sie sich ihre f**king landline sonstwohin schieben sollen und ich habe auch gleich nachgefragt, wo ich unsere Meteor-Accounts aufkündigen kann.
Die etwas konstanierte Dame versprach, sich in 10 Minuten nochmals zu melden. Jaja, kennen wir.

10 Minuten drauf läutet auf einmal das Festnetz! Am Apparat ein Herr von Eircom, der sich vielmals für die entstandenen Probleme entschuldigt, und uns mitteilt, dass unsere Landline ab sofort aktiv ist!

Welch Freude! Ich gleich mit dem Handy am Festnetz angerufen zu Testzwecken. Nichts. Kein Läuten.

Ich wieder bei Eircom angerufen. Warum und wieso? Tja, ganz einfach. Wir haben eine andere Telefonnummer! Ohne das irgendwem zu sagen, haben sie aufgrund von "technical difficulties" unsere Landline-Nummer geändert.

Auch gut. Nun haben wir also wenigstens eine funktionierende, wenn auch andere Nummer. Und sie funktioniert auch heute noch, einen Tag später. Welch Freunde.

Nach dem Broadband habe ich dann gar nicht mehr gefragt ...

Unser Vorteil: Wir sind nicht zwingend auf eine Landline angewiesen. Aber kamen uns trotzdem gehörig verarscht vor. Ich hoffe nur, dass Eircom zB mit gerade aufsperrenden Kleinbetrieben, die auf die Landline angewiesen sind, nicht ähnlich umgeht.

Poor Standard: Irlands Rating veschlechtert sich

Die internationale Rating-Agentur Standard & Poors hat gestern (wie schon seit längerem erwartet) das Kreditranking Irlands von der höchsten Stufe (AAA) einen Schritt nach unten auf AA+ gesenkt und gleichzeitig eine mögliche weitere Verschlechterung angekündigt.
Das hat vor allem Einfluss auf Fremdkapital, dass die Regierung borgen will. Schenkt man Berechnungen von Oppositionsparteien Glauben, erhöht das die Zinszahlungen der irischen Regierung im kommenden Jahr um zwischen 400 Millionen und einer Milliarde Euro.
Gleichzeitig sah sich Standard & Poors zu einem ungewöhnlichen Schritt genötigt: Man sprach offen aus, dass ein Regierungswechsel in Irland von Vorteil sein könnte, um eine weitere Verschlechterung abzuwenden:
Frank Gill, financial expert with the respected international agency, sparked controversy when he stated Ireland will probably "need new faces in government". The Government overhaul would be needed to stabilise the level of debt compared with the value of what the country produces — gross domestic product — Mr Gill told Newstalk.
Brian Cowen himself tat mit dieser heftigen Aussage das, was er derzeit am Besten kann: Er ignorierte sie mehr oder weniger:
The Taoiseach dismissed the remarks by the agency’s official.

"I do not know what he knows about Irish politics or what the choices are," Mr Cowen said.

Zitate: www.examiner.ie; Bild: EPA

Wicklow Gaol: Vorläufig geht es weiter

Vor genau einem Monat haben wir hier darüber berichtet, dass das berühmte Wicklow Gaol vor dem Aus steht. Nun, vorläufig ist das Schau-Gefängnis seit heute wieder geöffnet, und es gibt einen Hoffnungsschimmer.
Das Wicklow County Council betreibt gemeinsam mit dem Wicklow Chamber of Commerce das Prison vorläufig weiter. Parallel dazu wird allerdings weiter dringend ein Sponsor gesucht, um den Betrieb aufrecht erhalten zu können. Bislang vergebens.
Wer das - höchst sehenswerte - Wicklow Gaol noch nicht besucht hat, für den wird es jetzt höchste Zeit. Denn wer weiß, wie lange die Öffnung ohne finanzkräftigen Gönner aufrecht erhalten werden kann.