Nachdem wir den heutigen wunderschönen Sonntag-Vormittag zum Tischtennis spielen draußen im Garten verwendet haben, und sich einmal mehr herausgestellt hat, dass unser Sohn ein schlechter Verlierer ist, haben wir uns jetzt einmal die Zeit genommen, um für uns persönlich eine Zwischenbilanz über unsere ersten Monate in Irland zu ziehen.
Ich lebe nun mehr als ein halbes Jahr in Irland. Sicher noch nicht so lange wie viele andere, die schon auf einen reichhaltigeren Erfahrungsschatz zurückblicken können, aber sicher auch lange genug, um viele persönliche Eindrücke einzuordnen, und um ein erstes Resumee zu ziehen.
1. ArbeitNach einem ersten - ungewollten - Arbeitsplatzwechsel habe ich mich auch in der neuen Firma gut eingelebt. Und den neuen Job zu finden, war gerade in der jetzigen Zeit für mich persönlich einfach. Nun hoffe ich, dass ich nicht eine weitere Niete gezogen habe. Es schaut derzeit aber nicht so schlecht aus.
Der irische Druck-Markt ist spannend, und er bietet viele Möglichkeiten. Der Preiskampf ist noch nicht so hart wie zB in Österreich oder Deutschland, aber es mehren sich die Zeichen, dass vor allem die nordirischen Big-Player den Einbruch in den irischen Markt verstärkt versuchen werden. Und was mich am meisten überrascht hat: Es ist gerade bei den Kunden draußen kein Nachteil, wenn man kein gebürtiger Ire ist. Zumindest bis jetzt nicht. Im Gegenteil: Die Kundenbeziehungen klappen bislang bestens, und ab und an ist gerade die Frage nach der Herkunft der entscheidene Eisbrecher in Verhandlungen.
Meiner Frau ist es auch gelungen, hier im Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Was will man mehr?
2. WohnenNach zwei Monaten Shared-House und fünf Monaten hier in diesem Haus steht nun kommendes Wochenende für uns nocheinmal ein Umzug an - hoffentlich für längere Zeit der letzte. Wir haben uns aus mehreren Gründen zum Umzug entschlossen, vor allem aber, weil unsere jetzige Landlady offensichtlich jemanden hat, der unser jetziges Haus unbedingt kaufen will. Na dann, viel Spaß.
Gelernt haben wir, dass Zusagen von Maklern nur sehr bedingt gültig sind. Aber das ist eine andere Geschichte.
Nun freuen wir uns auf das neue Zuhause, haben dort auch beim Mietvertrag besser aufgepasst, und hoffen, dass wir wohnsitzmäßig zur Ruhe kommen. Die Aussicht und Seelage des neuen Hauses (das auch neuer ist und mehr Platz hat, und das zum selben Preis) stimmt uns zuversichtlich. Und auch, dass es uns gelungen ist, den monatlichen Mietpreis um satte 400 Euro zu vermindern.
3. Leben und FreundeWas wir definitiv hier trotz aller Ups and Downs schon gefunden haben, ist die Lebensqualität, die wir uns vorstellen, und die wir gesucht haben. Lange Spaziergänge in einsamen Gegenden, viel Ruhe und Entspannung nach stressigen Arbeitstagen, viel Wasser und grüne Wiesen - all das haben wir hier in unserer Umgebung.
Und zusätzlich haben wir in den letzten sieben Monaten hier schon viele Freundschaften zu Iren, Deutschen und Österreichern aufbauen können, die sehr gut sind. Gerade unter den Deutschsprachigen haben wir den Eindruck, dass man "in der Ferne" einfach irgendwie näher zusammenrückt. Aber auch unsere irischen Freunde und Bekannten sind nicht nur zum gemeinsamen Guinness-trinken, sondern auch für nette und angeregte Unterhaltungen und gemeinsame Unternehmungen gut.
In Summe viel besser, als wir das von Österreich kannten.
4. Unser SohnEr hat sich hier bestens eingelebt. In der Schule klappt alles wunderbar, und auch er genießt die wunderbare Umgebung, das Meer (das nicht so weit entfernt ist), den Blessington Lake und alles Drumherum. Zwar vermisst er hin und wieder Freunde und Familie in der alten Heimat, aber das ist ja auch verständlich. Alles in allem hat er sich hier bestens eingelebt.
Und dass es unserem Hund hier auch sehr gut gefällt, das sei nur am Rande erwähnt.
5. FamilieFür unser Familienleben war es hundertprozentig die richtige Entscheidung. Wir sind noch näher zusammengerückt in den letzten Monaten, machen mehr als früher gemeinsam und genießen die gemeinsame Zeit. Auch dadurch bedingt, dass wir hier arbeitsfreie Wochenenden haben, die wir von Österreich so nicht kannten.
6. Der VergleichTrotz mancher Rückschläge, die sich aber immer im Nachhinein positiv entwickelt haben für uns, war es die absolut richtige Entscheidung, hierher zu gehen. Zwar vermissen wir manches an Österreich, aber das wird durch die positiven Dinge hier in Irland (und diverse Care-Pakete *g*) bei weitem wettgemacht.
Wir sind gekommen, um zu bleiben. Und sehen uns darin bestätigt.
7. Was noch kommen wirdWer weiß das schon? Natürlich stimmen einen Wirtschaftslage, Arbeitslosenzahlen und manches mehr nicht unbedingt positiv und zuversichtlich. Aber aufgrund unserer persönlichen Situation hoffen und denken wir, dass uns hier noch viel Gutes erwartet. Zumal wir auch unsere Ansprüche nicht zu hoch schrauben und für alles dankbar sind, was wir erreichen können, ohne den Bogen zu überspannen.
Wir werden den heutigen Nachmittag nutzen, um nach Malahide ans Meer zu fahren und einen schönen Strandspaziergang zu machen. Einen schönen Sonntag von der Insel, auf der wir uns alles in allem "pudelwohl" fühlen.