Im ersten Teil meiner persönlichen Notizen habe ich mehrere Gründe aufgeführt, warum es uns auf die Insel gezogen hat. Dabei habe ich Folgendes zum Thema "Natur und Landschaft" geschrieben:
Eines vorweg: Ja, Irland ist schön. Wunderschön sogar. Ich genieße den Blick an einem wolkenlosen Abend aus meinem Küchenfenster hinaus auf den Sonnenuntergang (Foto oben). Aber das alleine als Grund würde nicht ausreichen, das Geburtsland zu verlassen und 2000 Kilometer weit weg zu ziehen. Im Gegenteil, die Schönheit der Insel ist ein Bonus, mehr nicht. Denn vergleichbar schön ist es wohl an vielen Orten auf dieser Welt.
Nicht nur deshalb, weil ich mittels Kommentar darauf aufmerksam gemacht wurde, habe ich darüber viel nachgedacht. Und eigentlich stimmt es so nicht ganz.
Zweifellos ist auch die wunderbare Natur und Landschaft Irlands mit ein wichtiger Grund gewesen. Zwar in unserem Fall nicht der vorrangige (das war bei mir der Job), aber doch ein sehr bedeutender. Und deshalb gibt's heute den zweiten Teil unserer Beweggründe für das Auswandern nach Irland.
6. Die NaturOb schroff und kahl wie am Burren, blühend-idyllisch wie in der Connemara, rauh wie in Donegal oder einfach nur grün und schön wie in den Wicklow Mountains: Die Natur Irlands ist Atem beraubend. Und sie vor der Haustür zu haben, ist sehr viel wert.
Beispiele gefällig?


Auch wenn man diese Natur leider desöfteren stark verschmutzt, lieblos zusammengestutzt oder einfach vom Menschen vergewaltigt vorfindet, sie ist vorhanden. Und wunderschön.
7. Die StilleDer Großstadt und dem Wohnblock samt blockwartsartigen Nachbarn in der alten Heimat entflohen, und nach einem oft stressigen Arbeitstag und dem Handling von teilweise verärgerten Kunden ein Faktor, den wir hier gesucht und gefunden haben: Die Stille.
Egal ob bei uns im Haus (die die uns schon besucht haben, wissen, wie abgeschieden wir wohnen) oder am Strand, oder irgendwo in der Natur. Stille finden wir hier einfacher als in unserem alten Leben. Und sie ist als Ausgleich wichtig.
Vergangener Freitag, nach Arbeitsschluss: Frau abgeholt, und die ganze Familie ist raus nach Malahide gefahren. Der Strand hat uns vier gehört. Nahezu alleine. In 2 Stunden sind wir exakt 3 anderen Menschen und 2 anderen Hunden begegnet. Wunderbarer Sonnenuntergang inklusive. Besser kann man den Kopf nach der Arbeitswoche nicht frei kriegen.
8. Der VirusDas mag jetzt vielleicht etwas zu verträumt-romantisch klingen, aber viele können das sicher nachvollziehen. Man infiziert sich nach und nach mit einem Irland-Virus. War es das erste Mal noch ein schöner Urlaub, den man gerne in Erinnerung behält, aber sich auch wieder aufs Heimkommen freut, so wurde nach und nach eine regelrechte Sucht daraus. Zuerst alle zwei Jahre, dann jedes Jahr, dann jedes Jahr zweimal Irland usw. usf. Und da sind wir ja sicher nicht die Einzigen.
Nach und nach beschäftigt man sich dann mit irischer Kultur, irischer Geschichte, irischer Musik,... - füllt regalweise die eigene Bibliothek mit Bildbänden und Reiseerzählungen, liest das erste mal
"Ulysses", freut sich, wenn im TV etwas über Irland gezeigt wird, und beginnt (natürlich nur wegen der Landschaftsaufnahmen *g*) Pilcher-Filme und Ähnliches anzusehen.
Letztendlich hat man dann eine Irland-Fahne hinten im Auto kleben, und einen Kleeblattschlüsselanhänger am Schlüsselbund. ;-)
Und irgendwann hat man beim Landeanflug auf den Dublin Airport das coming-home-Gefühl ;-)
So zumindest war's bei uns.
Ohne die negativen Seiten aus dem Auge zu verlieren, die es auch hierzulande zuhauf gibt (so wie wohl überall), und ohne die Brille grün anzumalen - in unserem Fall sage ich, wir haben diese Insel gesucht und gefunden.
9. Die NäheDie Nähe schätzen wir an Irland aus zwei Gründen: Erstens ist man an keinem Punkt der Insel weiter als 200 Kilometer vom Meer entfernt, was für uns sehr wichtig ist (siehe Teil 1). Und zweitens sind wir von hier auch schnell einmal wieder in unserer alten Heimat Österreich. Was dann interessant ist, wenn man nicht mehr wirklich junge und nicht mehr wirklich gesunde Eltern sowie eine alleine lebende Schwiegermutter daheim zurückgelassen hat. Sollte etwas passieren, ist man relativ schnell wieder daheim.
10. Das MultikulturelleJa, ich weiß: Auch in Irland gibt es Rechtsradikalismus, auch in Irland gibt es Fremdenfeindlichkeit. Und in wirtschaftlichen Krisenzeiten wird so etwas nicht besser. Dennoch wage ich zu behaupten, dass in Irland - vor allem durch die vergangenen Jahrzehnte - ein multikultureller Gedanke vorherrscht. Hauptsächlich natürlich in der Metropole Dublin, wo man Menschen aller Hautfarben und Nationalitäten vorfindet, die - größtenteils friedlich - miteinander leben.
Und trotz starkem Nationalbewusstsein und extremer Verbundenheit zu seiner eigenen Kultur ist der Ire "Fremdem" gegenüber sehr aufgeschlossen - so habe ich das bislang kennen gelernt.
So, das waren nun einmal 10 Gründe. Ich habe grob anzureissen versucht, warum es uns nach Irland gezogen hat. Wohlwissend, dass dies nur unsere persönliche Situation beschreibt, die für manche, aber sicher nicht für alle so zutreffen wird.
Nach dem Lesen der beiden Teile wird jetzt so mancher glauben, ich bin entweder beim Irland-Tourismus prozentuell beteiligt, oder ein hoffnungsloser Fall von blinder Landesliebe.
Weder noch *g*. Natürlich gibt es auch vieles, was ich hier nicht so mag oder was mich stört. Wie wahrscheinlich überall auf der Welt. Aber dazu mehr in der nächsten Folge meiner
"persönlichen Notizen" aus Irland.